Der Mond steht über dem Berge,

Jetzt ist wieder die Zeit der warmen Sommerabende mit ihrem besonderen Licht und Duft

Der Mond steht über dem Berge,
so recht für verliebte Leut‘;
Im Garten rieselt ein Brunnen,
sonst Stille weit und breit.

Neben der Mauer im Schatten,
da stehn der Studenten drei,
mit Flöt‘ und Geig‘ und Zither,
und singen und spielen dabei.

Die Klänge schleichen der Schönsten
sacht in den Traum hinein,
sie schaut den blonden Geliebten
und lispelt: »Vergiß nicht mein!«

Wie ein Gemälde entwirft Franz Theodor Kugler (1808-1858) die Szenerie einer Serenade: im Hintergrund eine mächtige von zartem Mondlicht beschienene Landschaft; davor ein intimer Lustgarten mit plätscherndem Brunnen. Die Hitze des Tages ist noch spürbar; vor den Außenmauern drei Studenten, die der ruhenden Schönen ein Ständchen bringen. Der laue Abends vermag nicht die heiße Sehnsucht der Liebenden zu kühlen.
Brahms vertonte diese Gedicht vermutlich 1886 für seinen Liederzyklus op.106.